Spelaiologische Sehenswürdigkeiten in Kreta


                                              

Auteur / contact : Pascal Sissiou

Email : pascal.sissiou@gmx.de

 

1.Gerontospilios Höhle in Melidoni

 

Zwischen den Hügeln Aspalathes und Prases, in einer Höhenlage von 220 Metern am Südhang des Kouloukona-Gebirges (1075m) und nördlich des Dorfes Melidoni, liegt der Eingang der Höhle Gerontospilios.

Der Blick von dieser Stelle auf das grüne Tal und den Berg Psiloritis (2456 m) ist Überwältigend. Man kann von hier aus nach ca.45 Dörfer der Umgebung Ausschau halten. Der Höhleneingang (siehe Bild),wird von einem ca.2,5 m hohen und ca.4 m breiten Bogen Gebildet. Während der Türkischen Besatzungszeit wurde der Höhleneingang verbaut, indem sie Steine und Felsbrocken davor stapelten, um die Zivilisten im Inneren einzuschließen. Der Höhleneingang befindet sich im östlichen Abschnitt der Doline, die durch den Einsturz einer Höhlenkammer gebildet wurde. Der Durchmesser der Doline (siehe Skizze) beträgt ca.25 Meter und sie fällt durch die Anordnung der eingestürzten Felsen auf, die in der Form eines Amphitheaters gegliedert sind.

 

An ihrer Nordwand findet man eine flache Vertiefung von kleinen Ausmaßen, die unter der Namen "Der Backofen des alten Weibes".(siehe Skizze). Das Innere der Höhle erstreckt sich auf drei Ebenen und dehnt sich in zwei Richtungen aus. Die Große Kammer, in der sich heute ein Schrein befindet, in dem die Knochen der Märtyrer aufbewahrt werden (siehe Bild), die Heldenkammer (siehe Skizze), ist an der Nord-/Südachse 65 Meter  lang, ca. 25 bis 30 Meter breit, und bis zu 25 Meter hoch.

 

Im nördlichen Teil dieses Raums bildet sich im hintersten Winkel die Raulinkammer* , an deren Südseite sich ein Durchgang zur zweiten,tiefer gelegenen Pashleykammer** befindet .

 

2.Melidoni und die Weitere Umbegung

 

Die Melidoni-Höhle gehört zu einem Gebiet von archäologischem Interesse, und man findet in seiner Nachbarschaft zahlreiche weitere Höhlen, von vermutlich kultischem Charakter (im Westen bei Latzimas , im Osten die Mougri-Höhle und die Höhlen um Bali sowie die Grotte in Axos , die Höhle der Lamia ).

Im Nordwesten, nicht weit von der Höhle entfernt, erstreckt sich die bedeutende Siedlung Grivila, in der man architektonische Überbleibsel und zahlreiche Tonscherben aus der mittleren minoischen und geometrischen Epoche antrifft.

In der Nähe von Melidoni wurden Spuren einer minoischen Wohnsiedlung gefunden, und Nordöstlich von Perama  grub man eine in Kammern gegliederte gemeißelte Grabstätte aus. Archäologische Hinweise wurden ebenfalls im benachbarten Choumeri gefunden(minoische Siedlung und Gräber).

Auf den Feldern um  Margarites, (Kuppelgrab) und in Panormo (hellenistisches Gebäude). In der Blütezeit der Höhle, d.h. während der archaischen, hellenistischen und römischen Jahre, spielten die Städte Eleutherna und Axos eine bedeutende Rolle. Die von der Universität Kreta in Eleutherna durchgeführten Ausgrabungen (zur Zeit noch im Gange),haben wichtige Funde ans Tageslicht gebracht,die darauf hinweisen, daß der Gott Hermes (Nachrichtengott des Olymp) in der Gegend verehrt wurde.

 

3.Das Dorf Melidoni

 

Eine einfache Erwähnung der Siedlung Melidoni findet man bereits gegen Ende des 14.Jh. (1379 und 1382) im Archiv des Dukas von Chandakas (Herakleio). Dagegen enthalten die späteren Unterlagen der Venezianer eine vollständige Aufzählung der Einwohner,der Häuser und der jährlichen  Getreide- und Weinproduktion(1549) sowie eine genaue Auflistung der Bäume des Dorfes (1562).

Ab Mitte des 16.Jh. findet man Melidoni bei allen Volkszählungen, und wie es scheint, entwickelte es sich zu einem beteutenden Provinzzentrum.

Melidoni ist hauptsächlich wegen der in seiner Umgebung gelegenen Höhle Gerontospilios bekannt.

Es handelt sich hierbei um eine Höhle von großer historischer Bedeutung, in der im Jahre 1824 während des Befreiungskampfes gegen die Türken 370 Zivilisten und 30 bewaffnete Kämpfer den Märtyrertod fanden. Wenige Jahre danach (1837) beschrieb Pashley das dramatische Ende der eingeschlossenen Zivilisten in der Höhle ,wobei er detaillierte Informationen darüber gab, wie der Eingang verbarrikadiert wurde. Als die Türken danach vor dem Höhleneingang ein Feuer entzündeten, drang der Rauch ins Innere, und die Eingeschlossenen erstickten qualvoll.

Die wichtige Stellung, die Melidoni als Zentrum der umliegenden Provinz einnahm, die durch

den Massenmord hervorgerufene Erschütterung, sowie das geologische Interesse der Höhle waren Anziehungspunkte für die ausländischen Besucher, die Kreta im 19.Jh. bereisten. Perrot  beschreibt die seltsamen Formen der Stalagmiten(1867) und hebt auch die Schwierigkeiten hervor, denen er und seine einheimischen Führer beim Begehen der Höhle  begegneten. Raulin hingegen spricht von der berühmten Höhle (1869).

 

4.Die Höhle als archäologische Stätte

 

Die Ausgrabungen im Inneren der Höhle :

Anfänglich war die Untersuchung auf die Raulinkammer (siehe Skizze)beschränkt. Nachdem die obere Aschenschicht entfernt worden war, die den kleinen Raum gänzlich bedeckte, entdeckte  man verstreute Spuren von Feuerstellen aus der späten minoischen Epoche (1600/1580-1190 v.Chr.)

Bei der Abtragung dieser Schichten kamen Gefäße ans Licht, die zwischen 1700/1650 und 1450 v.Chr. datiert werden und darauf hinweisen, daß der hintere Teil der Höhle in jener Epoche zum ersten Mal als Kultstätte genutzt wurde. Zwischen 3650~3500 bis 3000~2900 v. Chr. datiert, werden in der nördliche Nische der Heldenkammer (siehe Skizze),die den Namen Raulinkammer  trägt, Tonscherben, Tierknochen und Holzkohle Reste entdeckt. Dies war  angeblich eine Wohnschicht  die bis zum felsigen Untergrund lag, und  aus der Zeit stammt, als die Höhle zum ersten Mal bewohnt wurde. Charakteristisch ist die kultische Nutzung des phallus -oder omphalus- förmigen Stalagmiten.

Im Westteil. An seiner Basis wurden neben zahlreichen flachen Figuren aus dem 7.Jh.v.Chr.,

die nackten oder bekleidete Frauen darstellen, ebenso Idole aus der hellenistischen Epoche (4.und 3.Jh.v.Chr.) und Öllampen und knöcherne Dorne aus den späten römischen Jahren gefunden.

In den unteren Ebenen der Höhle wurden zahlreiche Wandmalereien aus der römischen Epoche, der venezianischen Zeit und aus dem 19.und 20.Jahrhundert entdeckt. Man findet hier unter anderem die Namen von Jacomo Barozzi und Antonios Melidonis, einem der Anführer des Aufstands gegen die Türken.

 

5.Die ältesten archäologischen Zeugnisse

 

Bereits 1928 waren in der Höhle neusteinzeitliche Werkzeuge gefunden worden. Im Jahre 1940 wurde dem Museum in Herakleio eine kupferne Doppelaxt übergeben,die vermutlich bei einer illegalen Ausgrabung gefunden wurde. P.Faure hat bei einer Untersuchung der Höhle 1954 Tonstücke aus der letzten minoischen Phase aus der geometrischen Zeit und der römischen Epoche fand. Inschriften an den Wänden des Eingangs werden mit dem Hermes-Kult  während der spät-Römischen Epoche in Verbindung gebracht.

Da ist einmal das zwölfzeilige Gebet von Artemis, der Tochter des Salouiou Mina, das heute unter der abgelagerten Erde verborgen ist sowie die Inschrift rechts am Eingang : "Hippomax Diokleios hermai euchan".

Im Jahre 1998 wurde im Bereich des Eingangs ein Teil der Erde entfernt, mit der Hoffnung

mehr Inschriften zu endecken,brachte aber nur ein einfacher errichteter Kalkofen zu Tage.

 

Wissenschaftliche Bearbeitung : Irini Gavrilaki, Archäologin. Produktionsleitung : Stelios Fasoulis

Text : Auszüge aus dem Turismus Prospekt der :

GEMEINDE GEROPOTAMOS

ORGANISATION DER MELIDONI-HÖHLE

KULTURMINISTERIUMS

DAS 25.AUFSICHTAMT FÜR

VORGESCHICHTE UND KLASSISCHE ALTERTÜMER

 

Bilder : P. Sissiou

Knochenschrein

Heldenkammer

Höhleneingang

Höhlenskizze

Mit der freundlichen Gehnemigung der Gemeinde Geropotamos, wie am 01 März 2006

telefonisch mit Herrn Apladas Kostantinos gesprochen.

 

Speleologische Erlebnisse aus meinem Urlaub im September 2005 auf Kreta.

Weitere interessante Höhlen auf Kreta :

  • Psychro Höhle,

  • Idäische Grotte(Idäion Andron),

  • Agia Paraskevi Höhle,

  • Pelekita Höhle,

  • Sfendoni Höhle u.s.w.

Gerne würde ich interessierte Speleologische Gruppen oder Vereine an die Kretische Gruppe von Rethymnon  weiter vermitteln.

Zuständige Gruppenführer und Vorsitzender in Rethymnon ist zur Zeit Herr Basilis Simitzis.

Viel Spass beim lesen oder in Ihrem Urlaub auf Kreta !